Winterstimmung am Ursprung der Sihl

The story behind the image

In der Blog-Serie The story behind the image schildert euch Falko, wie das jeweilige Bild aus Sicht eines Fotografen entstanden ist und nimmt euch mit, ihn beim Blick durch den Sucher der Kamera zu begleiten.

Nicht jedes Foto entsteht nach langer Planungsarbeit. Manchmal sind es die spontanen Schnappschüsse und der „richtige Riecher“, die zu interessanten und abwechslungsreichen Bildern führen, so wie bei diesem Bild der Winterstimmung am Sihlseeli.

Der Tag war angekündigt mit Regen und Schnee bis auf rund 1200 m Höhe – nicht wirklich die ideale Ausgangslage für die Landschaftsfotografie, wo eine gewisse Sichtweite und gutes Licht zwei der wichtigsten Komponenten sind. Nachdem es bereits die ganze Nacht über Niederschlag gegeben hat, ab dem Mittag aber Wetterbesserung in Aussicht gestellt worden ist, starte ich trotzdem mit dem Kameraequipment im hinteren Sihltahl. Eingepackt in Regenhose und Gore-Tex-Jacke, den Rucksack mit einer Regenhülle geschützt und zusätzlich noch mit Schirm bewaffnet, erreiche ich bald die Schneefallgrenze und damit immerhin den Punkt, an dem der strömende Regen in Schnee übergeht. Via Sihltalhütte steige ich mit leichten Wegfindungsproblemen in rund 20 cm Schnee hinauf bis an das Sihlseeli. Es ist eine rutschige Angelegenheit, denn der Boden ist noch nicht stark eingeschneit und der Schnee eher nass – aber bereits hoch genug, als dass ich die Wegmarkierungen nicht mehr wirklich erkenne.

Pünktlich mit einem ersten zaghaften Versuch der Sonne erreiche ich den kleinen Bergsee. Ich bin (an einem Sonntag) mutterseelenallein in diesem Gebiet unterwegs, der Alpsommer ist bereits beendet und das langsame Aufreissen der Wolken stimmt mich optimistisch für die kommende Stunden. Da sich die Sonne aber noch etwas Zeit lässt, bringt mich ein kurzer Abstecher hinauf auf den Saaspass mit beeindruckenden Tiefblicken ins Klöntal und hinunter zum Pragelpass. Überall fallen die letzten Schneeflocken und der Wind treibt lauter kleine Kristalle vor sich her. Die Wolken reissen mehr und mehr auf und langsam erkenne ich die Berge um mich herum, der Blick zum Sihlsee öffnet sich und die breite Mauer der Hoch Ybriger Berge nimmt Gestalt an.

Ein paar erste Versuche, das Sihlseeli in dieser besonderen Winterstimmung zu fotografieren, scheitert noch an den schlechten Sichtverhältnissen. Ich vertreibe mir die Zeit damit, einen guten Standort ausfindig zu machen. Das Sihlseeli ist sicherlich kein Secret Spot in den Schweizer Bergen. Angler, Wanderer und im Winter Skitourengänger statten diesem kleinen Bergsee regelmässig einen Besuch ab, daher ist das Fotomotiv an sich keine grosse Besonderheit. Mir geht es heute hier dementsprechend mehr um die besondere Stimmung, welche die Kombination von erstem Schneefall, aufreissenden Wolken und durchbrechender Sonne mit dem einsamen See abbilden soll.

Ich entscheide mich schlussendlich für eine Position am Abfluss des Sees mit P. 1981 als markanten Hintergrund. Leider habe ich heute an Brennweite gespart und muss mich im Weitwinkelbereich daher mit maximal 24 mm zufrieden geben. Ich versuche die beste Position zu finden, habe aber dennoch für meine Begriffe zu wenig Himmel und zu viel „Bergmasse“ im Bild. Trotzdem – die tiefblaue Farbe des Sees im aufreissenden Himmel, letzte Wolken-/Nebelfetzen und die durch viele Strukturen gekennzeichnete erste Winterstimmung lassen sich gut im Bild abbilden.

Foto von einem Bergsee

Naturfotografie mit Sihlseeli und Saaspass (24 mm, f /16, ISO 100, 1/160 s)

Das eigentliche Foto entsteht mit Stativ, wie immer niedrigem ISO-Wert und hoher Tiefenschärfe von vorne bis hinten durch eine relativ weit geschlossene Blende. Leider geht ein leichter Wind und die Spiegelung des Berges ist nie komplett ruhig, aber trotzdem sind die alpinen Strukturen gut im Wasser erkennbar. Anfängliche Überlegungen bezüglich eines Pol-Filters verwerfe ich wieder, da einerseits der Sonnenstand keinen grossen Effekt zuliesse und andererseits dann keine Spiegelungen mehr erkennbar wären – eine Komponente, die mir für den Bildaufbau aber wichtig ist.

Im Nachgang bin ich heute einmal wirklich froh um die Wasserresistenz meiner Kameraausrüstung, denn teilweise war das Equipment wirklich dem strömenden Regen ausgesetzt, hinzu kamen Schnee und Wind. Und es hat sich bewährt, trotz zeitweiliger Zweifel am Sinn dieser „Expedition“ weiterzugehen und dafür mit Sonnenschein und einer menschenverlassenen Stimmung in einer der wilderen Ecken der Zentralschweizer Voralpen belohnt zu werden.

Übrigens: in unseren Fotoworkshops für die Naturfotografie zeige ich dir, wie du auch bei schlechten Sicht- und Wetterverhältnissen stimmungsvolle Fotos machen kannst.

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